Rheinberg, 24. Februar 2025. Am 28.Februar 2025 lässt die Stadt Rheinberg die Rheinberger Stadtflagge auf Halbmast hissen und erinnert damit an die Opfer des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren auf dem Gebiet der heutigen Stadt Rheinberg. Sie waren Opfer des von Deutschland ausgegangenen Naziterrors und Krieges. Wie der gesamte Niederrhein war auch das Gebiet der heutigen Stadt Rheinberg in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges zum unmittelbaren Kriegsgebiet geworden. Seit dem Herbst 1944 starteten vom Niederrhein aus die militärischen Operationen der Alliierten. Hier bereiteten sie die Offensiven über den Rhein und in das damalige Deutsche Reich vor. Diese militärischen Operationen brachten bereits im Jahr 1944 Tod und Zerstörung verstärkt an den Niederrhein und auch auf Rheinberger Gebiet. Einige Kriegsereignisse dieser Zeit sollen hier Erwähnung finden, um an das Leid der Zivilbevölkerung zu erinnern.
Orsoy, das seit 1940 ständige Bombenabwürfe verzeichnen musste, beklagte nach den alliierten Angriffen im August und November 1944 viele Tote. Die militärischen Scheinanlagen der Wehrmacht im Binsheimer Feld sowie die Flakgeschütze rund um Orsoy provozierten die Luftangriffe der Alliierten. Nach und nach wurden die Einwohner*innen von Orsoy evakuiert. Im Februar und März 1945 erlebte die Zivilbevölkerung in Rheinberg-Mitte Angst und Schrecken des Krieges durch dauernde Fliegerangriffe und Bombenabwürfe. Sirenenalarm und die Flucht in Keller, Bunker und Stollen (Kattewall) waren an der Tagesordnung. Es gab für die Zivilbevölkerung keine Sicherheit mehr.
Am 9. Februar 1945 warf ein britischer Bomberverband seine Bomben auf die neuen Siedlungen an der Rheinberger Annastraße und an der sogenannten A-Straße, der heutigen Wiesenstraße. 15 Menschen starben, unter ihnen fünf Kinder. Die Toten wurden in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Annaberg bestattet. Auch in Ossenberg starben am 9. Februar sechs Kinder und fünf Erwachsene. Es folgten im Laufe des Februars weitere Bombenangriffe.
Am 25.Februar überflog ein Bombengeschwader wiederum Rheinberg und warf seine tödliche Fracht ab. Etliche Häuser wurden in der Alten Rheinstraße sowie in der Gold- und Weberstraße. zerstört, 16 Menschen starben bei diesem Angriff. Nur wenige Tage später, am 28. Februar, wurden weitere Bomben gezielt auf Rheinberg abgeworfen. An jenem Tag hatten viele Frauen und Kinder im Eiskeller der Gaststätte Baaken in der Kamperstraße Schutz gesucht. 13 von ihnen kamen in diesem Keller um. Das schlechte Wetter verhinderte an diesem Tag noch größeres Leid. Wegen der schlechten Sichtverhältnisse fielen zahlreiche Bomben auf die Flächen an den Wällen und Stadtgräben, an der Fossa, an der Berufsschule (heute Wiesenhof) und am Amtsgericht. Bei guter Sicht wäre die gesamte Innenstadt von Rheinberg wie in Emmerich, Wesel und Xanten und anderen Niederrheinstädten zerbombt worden.
Die Ortsteile Borth-Ossenberg-Wallach waren im Februar/März 1945 vollständig von deutschem Militär besetzt, das den alliierten Rheinübergang bei Wesel verhindern sollte. Im Turm der Evermaruskirche in Borth war ein deutscher Beobachtungsposten eingerichtet worden. Durch anhaltenden Beschuss und Bombardierung wurden auch hier viele Zivilisten getötet, die Evermarus-Kirche und das Pastorat sowie viele Gehöfte zerstört.
Anfang März standen die alliierten Panzerverbände vor Orsoy und Rheinberg. Die schweren Gefechte vom 5. März hinterließen ein unbeschreibliches Ausmaß an Tod und Zerstörung. Die Schlacht bei Rheinberg – von den amerikanischen Soldaten als „Bloody Rheinberg“ bezeichnet – forderte auf Seiten des deutschen und des allierten Militärs über 500 Tote. Über 40 US-Panzer wurden zerstört.
Orsoy wurde durch die deutsche Artillerie von der anderen Rheinseite in Schutt und Asche gelegt. Nach schweren Kämpfen wurde die Stadt am 6. März von den Amerikanern eingenommen ebenso wie die Solvay-Werke. Die noch verbliebene Orsoyer Bevölkerung wurde einige Tage im Orsoyer Marienhospital evakuiert. Mitte März 1945 wurden die Einwohner*innen der Rheinberger Ortsteile evakuiert. Amerikanische Lkw brachten sie zumeist nach Rheurdt, Niep, Schaephuysen und Tönisberg. Erst am 5. April 1945 kehrten die Einwohner*innen zurück.
Westlich des Rheinberger Bahnhofs war inzwischen ein amerikanisches Kriegsgefangenenlager errichtet worden. Mit der Rheinüberquerung der britischen, amerikanischen und kanadischen Truppen am 23. und 24. März 1945 bei Wesel, Dinslaken, Bislich und Rees endeten die alliierten Kriegsoperationen am linken Niederrhein. Erst am 8. Mai 1945 beendete die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht den Zweiten Weltkrieg in Europa. Dieser Tag markiert nicht nur das Ende des 2. Weltkrieges in Europa, sondern auch die Befreiung vom Nationalsozialismus.